Teilzeitarbeit ist Realität.
Ihre Abschaffung wäre unsozial und wirtschaftlich kurzsichtig
Zur aktuellen Debatte über eine mögliche Einschränkung oder Abschaffung des Rechts auf Teilzeitarbeit erklärt Dr. Maximilian Bieri, Oberbürgermeisterkandidat:
„Wer den Anspruch auf Teilzeitarbeit infrage stellt, ignoriert die Lebensrealität hunderttausender Menschen - und auch die Realität in den Verwaltungen und Betrieben vor Ort. Teilzeitarbeit ist kein Randphänomen, sondern ein tragender Pfeiler unserer Arbeitswelt. Gerade für viele Frauen - insbesondere Mütter und pflegende Angehörige - ist Teilzeit die einzige Möglichkeit, Beruf und Care-Arbeit für Kinder und oft auch pflegebedürftige Eltern überhaupt zu vereinbaren."
Ein Blick auf die Stadt Hanau selbst zeigt das sehr deutlich: Von insgesamt 2.470 Beschäftigten arbeiten 928 in Teilzeit - das entspricht einer Teilzeitquote von 37,6 Prozent. Besonders aussagekräftig ist der Blick in zentrale Bereiche der Daseinsvorsorge: In den städtischen Kitas liegt die Teilzeitquote sogar bei 56,6 Prozent, bei den weiblichen Beschäftigten insgesamt bei über 52 Prozent. Diese Zahlen zeigen: Teilzeitarbeit ermöglicht in vielen Fällen überhaupt erst Beschäftigung - vor allem für Menschen, die familiäre Verantwortung übernehmen.
„Wer heute fordert, Teilzeitarbeit einzuschränken oder als ,Lifestyle-Entscheidung' abzuwerten, sagt in Wahrheit: Diese Menschen sollen sich entscheiden - zwischen Beruf und Verantwortung. Das ist weder sozial gerecht noch ökonomisch vernünftig", so Bieri. Der Wirtschaftsflügel der CDU schlägt derzeit vor, den gesetzlichen Anspruch auf Teilzeitarbeit deutlich zu begrenzen. Begründet wird dies mit Produktivitätseinbußen und dem Fachkräftemangel. Für Bieri greift dieses Argument zu kurz:
„Gerade im Fachkräftemangel ist Teilzeitarbeit ein Schlüssel, um Menschen im Arbeitsmarkt zu halten. Ohne flexible Arbeitsmodelle würden viele - insbesondere Frauen - ganz aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Das schwächt die Wirtschaft, statt sie zu stärken. Zudem verschwindet die Care-Arbeit nicht, wenn Politik Rechte einschränkt: Kinder müssen betreut, Angehörige versorgt, Termine organisiert werden. Viele Paare wünschen sich heute eher mehr Möglichkeiten, mit denen sich Mütter und Väter die Zeit mit den Kindern teilen und jeweils dafür ein paar Stunden weniger arbeiten."
Die Zahlen aus Hanau belegen zudem: Teilzeitarbeit ist kein Zeichen mangelnder Leistungsbereitschaft, sondern Ausdruck moderner Arbeitsorganisation. Auch in technisch geprägten Eigenbetrieben und Verwaltungsbereichen wird Teilzeit erfolgreich praktiziert - mit stabilen Strukturen und verlässlicher Aufgabenerfüllung.
„Die eigentliche Aufgabe der Politik ist nicht, Rechte abzubauen, sondern Rahmenbedingungen zu verbessern: bessere Kinderbetreuung, verlässliche Pflegeangebote, flexible Arbeitszeiten, Rückkehr- und Aufstockungsmöglichkeiten sowie gute Qualifizierung", betont Bieri. „Wer Teilzeitarbeit abschaffen will, verschärft soziale Ungleichheit - und löst kein einziges wirtschaftliches Problem."
Abschließend stellt Dr. Bieri klar:
„Teilzeitarbeit ist Teil unserer sozialen Marktwirtschaft. Hier treffen der Schutz von Arbeitnehmerrechten und der Schutz von Familien unmittelbar zusammen. Sie sorgt für Teilhabe, Stabilität und Zusammenhalt. Ihre Abschaffung wäre weder sozial noch wirtschaftlich sinnvoll und würde der Leistungsfähigkeit der Verwaltung der Stadt Hanau enorm schaden. Als Oberbürgermeisterkandidat spreche ich mich klar gegen diesen Vorschlag der CDU aus."